Dem Anwender Gehör verschaffen

Als Fachzeitschrift findet man im Vergleich zur Publikumspresse etwas andere Gegebenheiten vor. Dort wo sich Journalisten im Publikumsbereich verpflichtet fühlen, möglichst Missstände aufzudecken und die großen Sensationen zu entdecken und zu publizieren, da geht es in der Welt der Fachzeitschriften recht gemütlich zu. Die Hersteller aus dem Bereich der Steuerungstechnik sind es beispielsweise nicht gewohnt, dass in Fachpublikationen Vergleichstests mit Notengebung gemacht werden. Kritische Berichterstattung ist also nicht gang und gäbe und widerspricht schon fast der Etikette in diesem Markt. Fachjournalisten haben eine Zeit lang von ‘investigativem Journalismus’ gesprochen, was nichts anders heißt, als das aufwändige Aufspüren irgendwelcher Skandale oder Skandälchen. Davon habe ich jedoch in den letzten zwei bis drei Jahren nichts mehr gehört. Ein Grund mag eine gewisse Ernüchterung sein, die in diesem Bereich eingetreten ist.

Auch wenn es im Bereich der Fachpresse nicht um das Aufdecken von Skandalen geht, so sehen wir uns doch dem Leser gegenüber verpflichtet, Themen aufzugreifen, die ihm in seinem täglichen Leben mit der Automatisierungstechnik Mühe bereiten. Kurz gesagt: Wir wollen dem Anwender eine Stimme geben. Das ist insofern nicht selbstverständlich, als dass Fachzeitschriften überwiegend von Material aus den Herstellerunternehmen gespeist werden. Allein die Tatsache möglichst viele eigenrecherchierte und geschriebene Beiträge zu veröffentlichen, wie wir das zum Beispiel als SPS-Magazin machen, ist eher die Ausnahme denn die Regel.

Allerdings sind wir als Fachjournalisten auch auf die Hilfe der Anwender angewiesen. Die Realität bei Fachpublikationen sieht leider so aus, dass es nicht sehr viel direkte Kommunikation zwischen Zeitschriftenmachern und Lesern gibt. Wir haben als SPS-Magazin großes Interesse daran, diese Situation zu ändern. Wir sind dabei eine Kooperation mit einem Medium zu starten, bei dem sich die Anwender tummeln. Ich hoffe, dass es uns auf diesem Weg besser gelingt, mit Anwendern der Automatisierungstechnik in den Dialog zu treten. Denn das wollen wir definitiv: Den Anwendern Gehör verschaffen.

Erfahrung nicht unterschätzen

Heute habe ich eine Meldung gelesen, bei der es um chinesische Hersteller von Windkraftanlagen geht. Diese hatten in den letzten Monaten ein enormes Wachstum zu verzeichnen. Laut dieses Beitrags ist es allerdings so, dass die chinesischen Windkraftanlagen nicht über die Zuverlässigkeit europäischer Produkte verfügen. Zu viele Ausfälle und dadurch finanzielle Verluste für die Betreiber sind die praktischen Konsequenzen. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass langjährige Erfahrung nicht im Eiltempo wettgemacht werden kann. Die Erfahrung und die Eigenschaft, Dinge permanent zu verbessern, kommen insbesondere den deutschen Unternehmen zugute. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben aber auch gezeigt, dass man sich auf den Lorbeeren nicht ausruhen darf. Das Rad dreht sich schneller und schneller. Ein gutes Beispiel dafür sind die südkoreanischen Unternehmen Kia, Hyundai und Samsung. Deren Innovationstempo in den letzten Jahren ist atemberaubend. Und dies nicht nur in Sachen Technik, sondern auch bei der Qualität, dem Design und der Vermarktung. Deutsche Maschinenbauer und Automatisierungshersteller haben eine hervorragende Ausgangsposition. Diese muss weiterhin genutzt werden, um im weltweiten Wettbewerb auch in Zukunft ganz vorne mit dabei sein zu können.

 

Flexibilität ist gefragt

Nun sind wir schon fast mittendrin, so schnell geht das. Das Jahr 2012 ist so gestartet, wie 2011 geendet hat. Wie immer: Die Probleme haben sich über den Jahreswechsel nicht von alleine gelöst. Nahezu alle Vertreter aus der Wirtschaft sprechen von vorsichtigem Optimismus was die Zukunft anbelangt. Betrachtet man sich die Marktentwicklungen in verschiedenen Bereichen, dann muss festgestellt werden, dass Flexibilität zu einem der wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Unternehmen geworden ist. Unternehmen wie Nokia uns RIM waren gestern noch die Stars und müssen heute um die Zunft kämpfen. Dasselbe gilt für die deutschen Hersteller der Solarbranche. Nur einige wenige Jahre konnten satte Gewinne eingefahren werden, heute stehen einige vor der Insolvenz, oder sind bereits von chinesischen Unternehmen aufgekauft. Langatmige Entscheidungsprozesse und Ineffizienz kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten. Das flexible Agieren in den Märkten und das schnelle Besetzen von Märkten ist angesagt. Auch wenn die industriellen Märkte, in denen wir uns als Automatisierer und Maschinenbauer bewegen, nicht so volatil sind wie die im Consumerbereich, wer nicht flexibel und schnell ist hat ein Problem (oder wird sehr schnell eines bekommen). Dazu brauchen die Unternehmen gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte, die Ihr Handwerk verstehen. Für all diejenigen, die sich auf die zu erwartenden starken Schwankungen noch nicht eingestellt haben, ist es an der Zeit, dies jetzt zu tun. Flexibilität ist gefragt, am besten sofort.

Nicht nur Siemens hat ein Sicherheitsproblem

Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie es vielen Steuerungsherstellern erging, als das Thema Stuxnet aufgekommen ist. “Zum Glück trifft es Siemens, und nicht mich”, so vermutlich so manche Reaktion. Jetzt gibt es wieder einen Bericht in Sachen Security im Bereich der Automatisierungstechnik. Mit dem Titel ‘Hintertüren in Industrie-Steuerungssystemen’ hat Heise-Security heute einen entsprechenden Beitrag veröffentlicht. Dieses Mal sind Geräte der Firma Schneider betroffen. Die Wettbewerber von Siemens und Schneider haben jedoch keinerlei Grund zur Schadenfreude. Denn die auftretenden Probleme betreffen grundsätzlich jeden Anbieter von Automatisierungsgeräten, dessen Produkte über ein Netzwerk erreichbar sind. Das ist auch das, was man hinter vorgehaltener Hand von diesen Herstellern in Gesprächen zu hören bekommt. Interessant ist auch, dass man über eine spezielle Suchmaschine anfällige Systeme aufspüren kann. Zudem wird in einem Beitrag des US Cyber-Notfallteam für Industrie-Steuerungen relativ genau beschrieben, wie man dies tun kann. Interessanterweise kommen diese Berichte immer aus den USA. Befinden wir uns in Deutschland diesbezüglich im Dornröschenschlaf?

 

Gestensteuerung entwickelt sich weiter

Wir befinden uns in Bezug auf das Bedienen von Maschinen in einer sehr spannenden Phase. Auf der einen Seite gibt es aus dem Consumer-Bereich eine ganze Menge von Technologien, die dort erfolgreich eingesetzt werden. Angefangen bei der Steuerung der Wii-Spielkonsole, über die Gesten bei den Macs, Smartphones und Tablets bis zu Microsoft Kinect. Gerade der Redmonter IT-Riese scheint in diese Richtung ganz erhebliche Anstrengungen zu unternehmen. Jüngst hat das Unternehmen einen kommerziellen Entwicklerkit angekündigt. Jetzt sollen immer mehr kommerzielle Produkte für den Einsatz mit Kinect entwickelt werden. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen dieses gesamte Entwicklung auf den Bereich Bedienen und Beobachten von Maschinen hat. Es lohnt sich das Umfeld weiter aufmerksam zu beobachten.

Security einmal anders – Smart Meter als Spion

Einen ganz anderen Aspekt der Security zeigt ein Beitrag des Bayrischen Fernsehens. Die Gefahr eines Smart Meters zur Stromerfassung in Haushalten.

Der Spion im Keller – Bayrischer Rundfunk

 

Technische Innovation in der Landwirtschaft

Nächste Woche beginnt die Messe Agritechnica in Hannover. Eine Messe die mindestens einmal so gut wie jeder Mann gerne besuchen würde. Voller faszinierender landwirtschaftlicher Fahrzeuge, Geräte und Technologien. Wer sich in diesem Bereich etwas näher umschaut, der stellt fest, dass die technologische Entwicklung dort mit großen Schritten voranschreitet. Gerade die Automatisierung der landwirtschaftlichen Fahrzeuge entwickelt sich sehr schnell weiter. Ich werde die Messe nächste Woche besuchen und schauen, was die Anbieter aus dem Bereich der Mobilen Automation dort so alles an Neuigkeiten bieten werden. Einen besonderen Fokus lege ich auf die elektrische Antriebstechnik, die im Begriff ist, die Hydraulik in einigen Anwendungsbereichen abzulösen. Ich werde dort auch ein Interview mit dem verantwortlichen Mitarbeiter für das Thema Elektrische Automatisierung der Firma Amazone haben. Im SPS-Magazin 12/2011 wird es dann einen Bericht zur Messe und voraussichtlich auch schon das Interview zu lesen geben.

Agritechnica

 

An die Wurzeln des Problems gehen

Ich gebe es zu, die aktuelle politisch-wirtschaftliche Situation beschäftigt mich doch sehr. Besonders interessieren mich die Ursachen der Finanzprobleme. Denn nur dann, wenn man an die Wurzeln geht, kann man auch wirkliche und langfristig wirksame Lösungen schaffen. In den letzten Tagen bin ich auf zwei interessante Erklärungsversuche gestoßen. Der eine sehr humoristisch aber durchaus zutreffend, der andere Beiträge ernsthafter, aber aus meiner Sicht nachvollziehbar. Man muss nicht derselben Meinung sein, interessante Aspekte sind jedoch dabei.

So läuft die Finanzwelt von Chin Meyer

Wirtschaftskrise 2011 – Die Ursachen und der Ausblick von Stefan Merath

 

 

 

Strukturelle Reformen wichtiger als steuerliche Entlastungen

Wir haben in Deutschland aktuell einen enormen Bewusstseinswandel zu verzeichnen. Waren es jahrelang die Industrieverbände, die nach Steuererleichterungen geschrien haben, so wehren sie sich jetzt schon fast dagegen. Anders kann man die aktuelle Pressemeldung des ‘Bundesverband der Deutschen Industrie’ (BDI) nicht interpretieren. Darin wird massiv darauf gedrängt, dass die Staatsverschuldung abgebaut wird und dass es zu strukturellen Reformen kommt. Steuerliche Erleichterungen werden wohl aktuell von der Industrie als niedere Priorität gesehen. So sehr man sich diese auch wünscht, sie würden wieder aufgefressen, wenn sie mit neuen Schulden finanziert werden würden.

Anders herum kann man es auch vereinfacht so formulieren: Wer jetzt noch nicht verstanden hat, dass die Stunde geschlagen hat, dem kann nicht geholfen werden. Deutschland hat ganz offensichtlich kein Problem der Wirtschaft (schon gar nicht der Industrie), Deutschland hat ein massives strukturelles Problem. Und deren Verursacher sind wir alle:

  • Überbordente Sozialsysteme, die den Menschen die Würde rauben, in dem es für viele Jahre Geld ohne Gegenleistung gibt
  • Ein Gesundheitssystem, bei dem viel Geld in irgendwelche Quellen versickert
  • Staatliche Wohltaten allgemeiner Art, die über viele Jahren über Schulden finanziert wurden
  • Große Steuerausfälle durch Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und sonstige Betrügereien, bei denen der Staat und die Allgemeinheit hintergangen werden
  • Es wurden immer diejenigen Politiker gewählt, die die meisten Wohltaten versprochen haben, nicht die, die auch vom Preis gesprochen haben, den eine notwendige Veränderung mit sich bringt
  • Ein System an Staatsbediensteten mit den damit verbundenen Renten außerhalb des allgemeinen Steuersystems, das uns eine Hypothek für viele Jahre auf den Rücken schnallt

Dies sind jetzt nur einige Beispiele die aufzeigen, dass man es sich als Bürger zu einfach macht, wenn man nur mit dem Finger auf Banken und Politiker zeigt. Selbstverständlich wurden viele gravierende politische Fehler gemacht. Diese waren aber zu weiten Teilen von der Bevölkerung gewollt. Wer wollte und wer will schon auf vorhandene Annehmlichkeiten verzichten?

Wir sind es uns und unseren Kindern (die sich immer weniger Menschen leisten wollen) schuldig, dass wir jetzt massive Veränderungen vornehmen. Insofern kann man dem BDI an der Stelle nur recht geben: strukturelle Reformen und Verhaltensveränderungen anstatt weiterer Wohltaten. Wer meint, dass es ein ‘weiter so’ gibt, den werden die Realitäten eines anderen belehren.

 

Ergänzende Meldung des VDMA vom 04.11.2011:

VDMA zu Steuermehreinnahmen: Politik muss Rückgrat zeigen
Anlässlich der Sitzung des Arbeitskreises Steuerschätzung erklärt Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA: „Steuereinnahmen auf Rekordniveau werden auch diesmal viele Politiker reflexhaft in Spenderlaune versetzen. Aber jetzt ist nicht Ausgabenphantasie gefragt, sondern politisches Verantwortungsbewusstsein. Politiker müssen endlich beweisen, dass sie die Logik der Schuldenbremse ernst nehmen, und die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte vorantreiben. Jetzt ist weder Zeit noch Spielraum für Steuergeschenke oder für Konjunkturprogramme auf Vorrat, vielmehr müsste die Schuldenbremse durch eine Staatsbremse ergänzt werden. Die Steuerpolitik muss ihre Hauptaufgaben darin sehen, eine wirkliche Steuerstrukturreform auf den Weg zu bringen und die Kalte Progression zu beseitigen.“

 

Wachsender Markt ‘Mobile Automation’

Die elektrische Automatisierungstechnik breitet sich in immer mehr Branchen aus. Eine dieser Branchen ist die so genannte ‘Mobile Automation’. Dabei geht es um Steuerungen, Bediengeräte, Sensoren und Aktoren für mobile Arbeitsmaschinen. Landwirtschaftliche Fahrzeuge, Kommunalfahrzeuge, Feuerwehrfahrzeuge oder auch Baufahrzeuge sind Beispiele dafür.

Bei den Unternehmen, die im Bereich der ‘Mobilen Automation’ aktiv sind, handelt es sich entweder um kleinere Firmen, die fast ausschließlich diesen Markt bedienen, oder aber um Unternehmen, die aus anderen Bereichen der Automatisierungstechnik kommen. Hersteller wie Eckelmann, ifm oder Jetter haben ihren Schwerpunkt im Bereich der Industrieautomation, haben jedoch die wachsende Bedeutung des Marktes für ‘Mobile Automation’ erkannt und bieten dort ganze Automatisierungssysteme an.

Vor einiger Zeit hatte der Automatisierungshersteller Bernecker & Rainer (B&R) die Firma Mondial gekauft. Ein Unternehmen, das auch im Bereich der ‘Mobilen Automation’ zu Hause ist. Ob der Grund für den Kauf die Sicht für den Markt ‘Mobile Automation’ war, oder die Tatsache, dass Mondial vor der Haustüre lag und zudem Zulieferer war, das kann ich so nicht beurteilen. Tatsache ist jedoch, dass B&R jetzt auf einer Pressekonferenz verkündet hat, dass dieser Markt verstärkt adressiert werden soll. Auf der Messe SPS/IPC/DRIVES soll ein modulares Steuerungssystem für mobile Automatisierungsanwendungen zu sehen sein. B&R hat sicherlich gute Voraussetzungen, um auf diesem Markt erfolgreich zu sein. Eine breite technologische Basis aus der Industrieautomation, Erfahrungen von Mondial aus der ‘Mobilen Automation’ und ein weltweites Vertriebs- und Servicenetz. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen der Auftritt dieses neuen Players am Markt haben wird. Dass man solche speziellen Märkte mit speziellen Anforderungen nicht im Sturm erobert, das dürfte aber auch klar sein.